| Erster Segelbericht der "TOINEN VENE" |
Zweiter Segelbericht der RW 26 "TOINEN VENE"Als Ergänzung zu meinem ersten Segelbericht möchte ich heute einen zweiten Segelbericht schreiben, der die RW 26 in extremen Situationen beschreibt. Zuerst die Wetterbedingungen: Bewölkt, aber gute Sicht, Wind 8 - 14 kn (3 - 4 Bft). Zur Erinnerung: Meine RW 26 "TOINEN VENE" trägt auf einem Peitschenmast aus Holz 24 m² Segelfläche am Wind. Ein Peitschenmast hat den Nachteil, daß an diesem das Großsegel gerefft nicht sauber gefahren werden kann. Somit stand also die volle Segelfläche den oben genannten Bedingungen aus. Zudem segelte ich das Boot in Lee, welches dem Ballast von 450 kg und dem damit verbundenem Lateralschwerpunkt nachteilig entgegenwirkte. Anders gesagt: Ich unterstützte mit meinen 100 kg Körpergewicht die Krängung. Raus ging es Raumschots. "TOINEN VENE" zog mit Windgeschwindigkeit - der Hafen liegt ein wenig geschützt - vom Steg nach draußen. In diesem geschütztem Bereich wehte es mit 3,5 kn. Dann anluven, Halb-Wind-Kurs. Die mit Vollzeug getakelte RW 26 zog mit einem rasanten Speed an zwei Motorbooten vorüber. An Deck zwei Kinder: "Mama, Papa, kommt mal schnell. Da der Segler wie schnell der ist!" Ich habe keine Ahnung wie schnell TOINEN VENE über das Wasser glitt. Aber eins war sicher: die theoretische Rumpfgeschwindigkeit von 4,3 kn hat sie um mindestens einem Knoten überschritten. Das Boot hob sich leicht auf die Bugwelle drauf - sag mal: kann das sein? - schoß es mir durch den Kopf. Halbwind-Kurs und wir sind am gleiten. Ja dem war so. Dann weiter anluven. Am Wind. Alle meine Kräfte steckte ich in das Halten der Genuaschot. Ich fahre das Boot mit der Genua I, eine ein Drittel überlappende Genua. Was hier bei knapp 4 Bft. für Kräfte wirken kann sich jeder denken. Auf Lee senkt sich das Boot bis zur Scheuerleiste, dann noch weiter. Wasser läuft über das Schandeck, jetzt steht das Wasser bis ans Süllbord und jetzt... ich weiß es nicht. Mehr als 45 Grad Krängung dürften es gewesen sein. Der Krängungsmesser zeigte nichts mehr an. In Lee sitzend sehe ich nach Luv und sehe ca. 1,5 m über mir das Luvdeck. OK. Schoten fieren. Schlagartig richtig sich die RW 26 wieder auf; es wird ruhiger. Man war das super. Ich greife zum Handy und rufe meine Frau an. Volker ein Freund von uns wollte noch vorbeikommen. Ich fragte: "Ist Volker schon da?" - "Nein, warum?" - "Ich brauche Lebendballast, sonst kann ich das Boot so nicht aufrecht segeln!" - "Was?" - "Ja, ist ziemlich viel mit der Segelfläche! Es wurde mir ja immer gesagt: die RW 26 ist ein Arbeitsboot." In der Tat. Ab vier das erste Reff. OK - jetzt glaube ich es. Dann noch mal anluven und alles geben was geht. Es geht nur nicht viel. Es kommt eine Böe mit guten 14 kn. Das Boot legt sich gefährlich auf die Seite. Schätzungsweise 60 Grad Krängung - aber es kann auch weniger gewesen sein. Ich bin naß bis auf die Knochen. TOINEN VENE fährt immer noch vorwärts und das bei dieser Lage. Dann macht es BUMM. Was war das? - So ein Mist, das können nur die Batterien gewesen sein. Wieso? Die sind doch fest! Die Böe dauert ein wenig länger. Oder hat der Wind aufgefrischt. Letzteres war der Fall. Jetzt steht das Wasser kurz vor dem Eindringen ins Cockpit. OK, Schoten fieren. Lass die Segel flattern. Das Boot richtet sich sofort wieder auf. Ich setze Raumschot-Kurs zur Verschnaufpause. Das die Elektronik nicht mehr funktioniert fällt mir erst auf, als ich dieses BZZZ, BZZZ höre. Was um alles in der Welt ist das? Klar, die Batterien. Ich öffne den Heck-Deckel. Blaue Rauchschwaden quellen aus dem Heck. So ein Mist. Was ist das denn? Eine Batterie steht in Flammen. Schnell! Löschen! Ich denke daran: GFK brennt wie Zunder. Und dann das schöne Mahagoni und Lärche auf dem Deck. Und das Geld, welches in dem Boot steckt. Aber noch viel wichtiger: die Leidenschaft und Liebe zum Detail. Das Feuer ist gelöscht. Jetzt erst sehe ich, was da hinten passiert ist. Durch die starke Krängung sind die Batterien aus der Halterung gefallen - zugegeben eine Sache die ich nachbessern muss. Aber wird hat schon mit eine Krängung von mehr als 45 Grad gerechnet. Ich jedenfalls nicht - und schon gar nicht auf einem Binnenrevier. Kabel haben sich von den Batterien losgerissen und einen Kurzschluß erzeugt. Komplettausfall der Elektrik. Das bedeutet: keine Tiefenmessung, keine Logge und kein Motor. Also anlegen unter Segeln. Erst mal weiter Raumschots und sehen, was sonst noch passiert ist. Nichts - alles heile außer den Batterien. OK. Glück gehabt. Jetzt berge ich die Genua I und segel nur mit Groß am Wind zurück in den Hafen. Ich sitze ich Luv und schaffe trotz meines Gewichts in Luv noch 30 Grad Krängung. Der Krängungsmesser funktioniert noch wie alles andere, was mechanisch an Bord existiert. Jetzt bereite ich das Anlegemaöver unter Segeln vor. Für mich ist es dar erste mal, daß ich mit der RW 26 unter Segeln anlegen. Alles ist noch so ungewohnt. Ich drehe das Boot in den Wind und verlasse meinen Posten am Ruder. Perfekt. Die RW 26 liegt so ausgeglichen auf dem Ruder, daß ich diesen Platz verlassen kann ohne Angst des Anluvens oder Abfallens haben zu müssen. Wie auf Schienen dümpelt bei 4 Bft. die RW 26 vorwärts. Die Festmacher sind klar gemacht und genügend Fender ausgebracht. Jetzt können wir anlegen. Das Anlegemanöver gelingt auf Anhieb. Ich habe das Gefühl, ich segele die RW 26 schon seit es RW 26 gibt. Vertraut läuft das Boot mit leicht gefiertem Groß in die Box. Schnell sind die Festmacher am Steg festgemacht. Man war das Aufregend. Jetzt wird noch schnell die Notreparatur gemacht. 50 % der Batterien werden von Bord genommen, die andere Hälfte wieder angeschlossen. Es funktioniert noch alles. Super. Schaden: 160 Euro für neue Batterien. Das Schiff ist OK. Fazit: Die RW 26 segelt ausgeglichen, reagiert aber empfindlich auf Wind. Ich kann nur bestätigen: Wer richtig mit diesem Boot segelt, der weiß, daß dieses Boot ein Arbeitsboot ist. Bei 4 Bft. ist tatsächlich ein Reff erforderlich, damit dieses Boot alleine gut handelbar ist. Diese Extremsituation hat gezeigt, daß die RW 26 nicht nur bei "Schönwetter" (wobei ich von der Küste stammend 4 Bft. noch zu Schönwetter zähle) gut zu segeln ist. Wer weiß was in solchen Situationen zu tun ist, der sieht diesen Situationen mit der RW 26 gelassen entgegen. Sie reagiert prompt. Ein entscheidender Vorteil. Jörg Lott |
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